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Wie wird die Zukunft der E-Zigaretten-Branche aussehen?

01.09.2020 18:39

In unserem letzten Artikel berichteten wir bereits über den neuen Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur "Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes" und dem damit bald eintretenden Werbeverbot für E-Zigaretten. Mit dem neuen Gesetz werden jedoch nicht nur die Werbemöglichkeiten radikal eingeschränkt, was für viele E-Zigaretten-Hersteller und Dampfer Shops ohnehin schon ein großes Problem darstellt, sondern auch noch ganz andere Maßnahmen und Regulierungen eingeführt. Denn wie es bereits bei der Werbung der Fall sein wird, sollen zukünftig auch nikotinfreie Produkte, die zum Dampfen verwendet werden, wie Aromen, Shake & Vapes, Basen, nikotinfreie Liquids usw. den gleichen strengen Auflagen unterliegen, wie es für nikotinhaltige Produkte und E-Zigaretten bereits der Fall ist. So müssen diese sich schließlich auch den gleichen Tests und Meldungen unterziehen und neue nikotinfreie Produkte werden zukünftig auch der Registrierungspflicht unterliegen, wozu leider auch eine sechsmonatige Frist gehört, bis der Kauf der Produkte nach der Anmeldung beginnen kann. Hinzu kommt noch, dass alle Produkte, die zum Dampfen verwendet werden, auch eine neue Verpackung mit entsprechenden Beipackzetteln und Warnhinweisen benötigen. Wie all diese Einschränkungen und neuen Regulierungen die E-Zigaretten-Branche und den Markt verändern werden, bleibt abzuwarten, dass wir allerdings mit diesen neuen Gesetzen inmitten großer Veränderung stecken, ist offensichtlich.

Nicorette vs Liquid

Welche Gründe gibt es für die starken Regulierungen der E-Zigarette?

Politische Entscheidungen werden leider häufig nicht auf Grundlage wissenschaftlicher Forschung und den Standpunkten von Betroffenen und Experten getroffen, sondern sehr häufig wegen des Einflusses verschiedener Lobby- und Interessensverbände. Im Fall der E-Zigarette sind es mindesten drei große, einflussreiche Player, wie wir in einem früheren Artikel schon einmal schrieben, welche den Markt bestimmen, regulieren oder stark einschränken wollen. Dies ist zum einen die Tabakindustrie, zum anderen die Pharmaindustrie und schließlich die Gesundheitslobby (Krankenversicherungen, Ärzteschaft, Krankenhäuser, Pflegeheime etc.), die alle ihre ganz unterschiedlichen aber immer auch wirtschaftlichen und gewinnorientierten Interessen in die Politik tragen. Ein Interesse an starker Einschränkung haben dabei vor allem die Pharmaindustrie und die Gesundheitslobby. Insbesondere die Hersteller von klassischen Tabakersatzprodukten, wie Nikotinpflastern und -kaugummis, welche in der E-Zigarette einen direkten Konkurrenten sehen, versuchen schon seit Jahren mit diversen Methoden das Dampfen zu diffamieren und die E-Zigarette vom Markt zu bringen. Wie wir berichteten, hatte die Pharmalobby auch bei einer der letzten äußerst fragwürdigen und für negative Schlagzeilen sorgenden Studie zur E-Zigarette ihre Finger mit im Spiel. Die Studie, der andere Wissenschaftler erhebliche methodische Mängel vorwarfen, wurde im letzten Dezember von Stanton Glantz und Dharma Bhatta veröffentlicht. Das Forschungsinstitut von Glantz, dem Hauptverantwortlichen der Studie, wurde von Johnson & Johnson mitfinanziert - einem international tätigen Pharmakonzern, der auch das äußerst populäre Tabakersatzprodukt Nicorette herstellt! Die Wirksamkeit der Pharmalobbyarbeit auf das politische Geschehen kann man auch daran bemerken, das von den neuen Regelungen und Verboten sogar nikotinfreie E-Zigaretten-Produkte betroffen sind, nicht aber nikotinhaltige Tabakersatzprodukte, wie zum Beispiel die oben genannte Nicorette…

Korruption

Wird die Tabakindustrie den Markt der E-Zigarette zukünftig bestimmen?

Während in vielen Dampferkreisen früher noch die Idee vorherrschte, die punktuell sicher auch eine gewisse Berechtigung hatte, dass die Tabakindustrie in der E-Zigarette einen Konkurrenten sieht und sie, ebenso wie die Pharmaindustrie, vom Markt drängen möchte, zeichnet sich heute ein ganz anderes und klareres Bild ab. Denn zumindest mittlerweile sieht es ganz und gar nicht mehr danach aus, als wollte die Tabakindustrie die E-Zigarette an sich auch nur irgendwie bekämpfen wollen. Was sie bekämpfen, ist der dezentrale und offene Markt in der E-Zigaretten-Branche, während sie sich zugleich mit Milliarden in den Markt einkaufen und ihn zu dominieren suchen. Sowohl auf EU-Ebene als auch auf Bundes-Ebene hat die Tabakindustrie mit ihrer Lobbyarbeit diesbezüglich schon etliche Erfolge verzeichnet. Denn spätestens nach dem neuen Gesetzesentwurf ist klar: die E-Zigarette wird rechtlich immer fester an die Regelungen für Tabakprodukte gebunden. Mit diesen neuen Regulierungen hat die Politik auch das Feld bereits geebnet, das es den bisherigen, kleineren E-Zigaretten-Herstellern und Dampfer Shops - wegen der ganzen komplizierten Einschränkungen, Testverfahren und Registrierungsvorschriften - immer schwerer macht, die Vielfalt an E-Zigaretten und Dampfprodukten aufrechtzuerhalten. Zugleich wird es damit der Tabakindustrie immer leichter gemacht, mit ihren simplen und überteuerten Podsystemen und vereinheitlichten E-Zigaretten-Sets, den Markt zu dominieren. 

Sensemann

Wie der Markt Schritt für Schritt erobert wird

Vapers.guru Autor Joey Hoffmann hat Ende Juli eine sehr gute und wohl recherchierte dreiteilige Artikel-Serie verfasst, in der er die Strategien der Tabakkonzerne nachzeichnet, wie sie nach und nach den E-Zigaretten-Markt dominieren wollen. Im März 2018 stieg der Tabakriese Reemtsma mit der Marke myblu in den deutschen E-Zigarettenmarkt ein, mit dem Ziel, "die führende E-Zigaretten-Marke in Deutschland zu werden“. Ein noch größerer Gigant der Tabakbranche, British American Tobacco, übernahm im Oktober 2018 die Einzelhandelskette Highendsmoke, die in Deutschland über 91 Ladenlokale verfügt, eigene Marken wie MIXD Flavours oder GermanLiquids herstellt und in den Vertrieb von etlichen anderen Dampferprodukten eingebunden ist. Im Dezember 2018 kaufte sich schließlich auch noch der Mutterkonzern von Marlboro bzw. Philip Morris, die Altria Group, nachhaltig in den E-Zigaretten-Markt ein. Mit satten 12,8 Milliarden Dollar erwarben sie einen 35-prozentigen Anteil, an dem in den USA schon sehr breit etablierten und in Deutschland gerade aufsteigenden E-Zigaretten-Unternehmen JUUL. Damit sind mindestens drei der fünf größten Tabakkonzerne weltweite bereits äußerst aktiv auf dem E-Zigaretten-Markt präsent. Und sie werden dafür sorgen, dass der Markt sich immer mehr monopolisiert und die Produkte vereinheitlicht, vereinfacht und teurer werden. Die Diversität und Markenvielfalt, die ständigen Innovationen und Veränderung, die bisher den E-Zigaretten-Markt mit seinen unzähligen klein- und mittelständischen Unternehmen bestimmten, ist der Tabakindustrie ein Dorn im Auge. Sie setzen, wie es ihre übliche Strategie in der Kundenbindung ist, auf simple, eingängige Produkte, die sich kaum verändern aber eine äußerst hohe Markentreue hervorbringen können. Deswegen liegt es jetzt auch an uns, der ganzen Dampfercommunity, dass wir weiterhin kämpfen und uns deutlich von der Monopolisierung der Tabakindustrie distanzieren, damit unternehmerische Vielfalt, Dezentralisierung und innovative, hochwertige Produkte in allen Anwendungsbereichen und Preissegmenten weiterhin erhalten bleiben.

Zeitungsausschnitt

Zitierte und weiterführende Links:  

https://www.taste-smoke.de/Das-Werbeverbot-fuer-die-E-Zigarette-rueckt-immer-naeher-

www.vapers.guru/2020/07/03/aenderung-des-gesetzes-es-geht-um-mehr-als-werbung

https://www.taste-smoke.de/Wie-das-moegliche-Werbeverbot-und-eine-unserioese-Studie-dem-Image-der-E-Zigarette-schaden

https://vapoon.de/wir-haben-verloren/

https://www.vapers.guru/2020/07/21/wie-big-t-die-e-zigarette-kauft-teil-1/

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/myblu-tabakkonzern-reemtsma-setzt-auf-die-e-zigarette/22676032.html

https://www.rundschau.de/artikel/tabakalternativen-bat-uebernimmt-haendler-fuer-dampfprodukte-highendsmoke/

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/e-zigaretten-marlboro-konzern-macht-juul-gruender-zu-milliardaeren/23781888.html


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