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Wie das mögliche Werbeverbot und eine unseriöse Studie dem Image der E-Zigarette schaden

09.01.2020 16:11

Wegweiser, Rauchen oder nicht

Der Dezember war wieder ein turbulenter Monat, was die Berichterstattung und politische Positionierung zum Dampfen anbelangte. Zum einen nahm das drohende Werbeverbot für E-Zigaretten und ihre Gleichstellung mit Tabakprodukten immer realere Züge an, zum anderen geisterte erneut eine diffamierende Berichterstattung durch die deutsche Medienlandschaft, diesmal angestoßen durch die Veröffentlichung einer äußerst unseriösen Studie.

Das Werbeverbot setzt genau die falschen Signale

Bereits in unserem letzten Artikel über den Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung sprachen wir über das angedachte Werbeverbot für E-Zigaretten. Am 10.12.2019 hat sich schließlich die CDU/CSU auf einer Fraktionssitzung klar dafür positioniert, dass sie das für Tabak geltende Werbeverbot in dem genau gleichen Maß auch bei E-Zigaretten anwenden möchte. Daraufhin bezogen die großen E-Zigarettenverbände, der Verband des eZigarettenhandels (VdeH) und das Bündnisses für Tabakfreien Genuss (BfTG) Stellung gegen diese ungerechtfertigte Gleichbehandlung und gaben gemeinsam eine Pressemitteilung heraus. Denn auch nur die Idee anzudeuten, dass das Rauchen und das Dampfen von ihrem Gefahrenpotential ähnlich schädlich sein könnten, widerspricht massiv dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Konsens. Genau dies wird aber vermittelt, wenn die Bundesregierung, die ohnehin schon starken Werbeeinschränkungen und -regelungen von E-Zigaretten, nun zu einem noch strikteren Werbeverbot ausweiten sollte, wie es bei Tabak-Zigaretten der Fall ist.

Dabei ist die Sachlage eindeutig, E-Zigaretten sind um ein Vielfaches unschädlicher als Tabak-Zigaretten und sind einer der besten und effektivsten Methoden mit dem Rauchen aufzuhören,

wie wir in einem anderen Artikel bereits berichteten. Allerdings existiert unter der Bevölkerung, vor allem auch wegen der schlechten medialen Berichterstattung, eine große Verunsicherung. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass 57 % der Bevölkerung denken, dass die E-Zigarette mindestens ebenso gefährlich wie die Tabak-Zigarette sei. Falls die Gleichbehandlung beim Werbeverbot tatsächlich vollzogen wird, wird diese Unkenntnis und Fehlinformation von staatlicher Seite noch gestützt. Denn wenn das Dampfen genauso reguliert und beschränkt wird wie das Rauchen, entsteht natürlich der Eindruck, dass dies wohl gemacht wird, weil Tabak-Zigarette und E-Zigarette gleich gefährlich seien. Dies wiederum kann dazu führen, dass viele verunsicherte Konsumenten wieder zurück zur Tabak-Zigarette greifen, weil Sie denken, dass es ohnehin keinen Unterschied macht – genau das aber wäre ein fataler gesundheitspolitischer Rückschritt!

Der Vorsitzende des Verbands des eZigarettenhandels (VdeH), Michal Dobrajc, weist deswegen auf den Sinn und die Notwendigkeit von Werbemaßnahmen für die E-Zigarette hin:

Werbung ermöglicht es, der vorherrschenden Desinformation zu begegnen und die Öffentlichkeit aufzuklären. Dass dies auf eine verantwortungsvolle Weise geschehen muss, versteht sich von selbst. Solange die Fehlvorstellungen der Verbraucher anhalten und solange öffentliche Stellen nichts unternehmen, um erwachsene Raucher zum Umstieg und Ausstieg zu motivieren, muss es der Branche möglich bleiben, genau dies zu tun.

57% der Rauchen halten E-Zigaretten genauso schädlich wie Zigaretten

Eine tendenziöse und unseriöse Studie  

Vor einer Weile berichteten wir bereits bezüglich der falschen Berichterstattung über die E-Zigarette in der deutschsprachigen Medienlandschaft. Einen weiteren Höhepunkt erlebten die Falschaussagen als am 16.12 unter der Leitung von Stanton Glantz und Dharma Bhatta eine äußerst fragwürdige Studie veröffentlicht wurde, die in den Medien für Schlagzeilen sorgte. Kurze Zeit später titelte unter anderem der Bayrische Rundfunk: Neue Studie: E-Zigaretten so gefährlich wie Tabak. Der SWR3 titelte: Studie: E-Zigaretten sind ebenso gefährlich wie Tabak und schließlich schrieb auch noch die Tagesschau, dass das Rauchen von E-Zigaretten langfristig genauso schädlich ist wie das Rauchen von Tabak (wobei einem die Unkenntnis hier schon entgegenspringt, weil man E-Zigaretten nun mal nicht raucht, sondern dampft). Dies veranlasste den Journalisten und Gründer von vapers.guru, Joey Hoffmann, einen ausführlichen und offenen Brief an die Tagesschau zu schreiben, in dem er sowohl die Inkompetenz der Studie als auch die falsche Berichterstattung der Tagessschau bemängelte.  

Die Studie wurde bereits von etlichen Wissenschaftlern kritisiert und auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland veröffentlichte einige Tage später einen Artikel mit dem Titel: Fragwürdig und irreführend: Deutsche Forscher kritisieren Studie zu E-Zigaretten. Fassen wir kurz einige der Hauptkritikpunkte zusammen:

- Der Hauptverantwortliche der Studie, Prof. Stanton Glantz, ist kein Mediziner und bereits bekannt für seine tendenziösen Forschungen zur E-Zigarette. Zudem wurde sein Forschungsinstitut (Center for Tobacco Control and Education) von dem international tätigen Pharmakonzern Johnson & Johnson mitfanziert, der unter anderem Hersteller der Tabakentwöhnungsprodukte Nicorette und somit in einem klaren Konkurrenzverhältnis zur E-Zigarette steht. Ohnedies steht die Firma schon lange in Kritik für ihr unethisches Vorgehen unter anderem in den Fällen von Asbest, Mikroplastik und Opioiden.

- Die Studie behauptet, dass Konsumenten von E-Zigaretten ein um 30 % erhöhtes Risiko hätten, an typischen Lungenerkrankungen wie Bronchitis oder COPD zu erkranken. Allerdings waren die Probanden der Studie, die E-Zigaretten regelmäßig nutzten fast alle, wie in der Normalbevölkerung auch, ehemalige Raucher. Weswegen der erhöhte Risikofaktor viel eher auf die Langzeitfolgen des Tabak-Rauchens als auf den Konsum von E-Zigaretten zurückzuführen ist.

- Die Studie basiert nicht auf klinischen Untersuchungen, sondern lediglich auf Langzeitbefragungen durch Selbstauskunft. Das heißt, mit den Studienteilnehmern wurden keine diagnostischen Untersuchungen vollzogen. Es wurden lediglich ihre Aussagen ausgewertet, für die es ausreichend war, wenn ihnen irgendeine Person, die im Gesundheitsbereich tätig war, gesagt hatte, dass sie an einer Lungenerkrankung leiden. Allein schon aus diesem Grund kann der Studie eine bloß sehr eingeschränkte Aussagekraft zuerkannt werden.

Wieso hält die falsche mediale Berichterstattung weiter an?

In der medialen Berichterstattung wurden leider nicht nur die fragwürdigen Ergebnisse der Studie weitergegeben, sondern auch noch eine Menge weiterer falscher Aussagen getätigt. Denn die Studie behauptete gar nicht, dass Dampfen genauso gefährlich sei wie Rauchen. Sie behauptete lediglich, dass der höhere Risikofaktor eine Lungenerkrankung zu bekommen bei E-Zigaretten-Konsumenten im Vergleich zu Nicht-Rauchern/Dampfern bei 1,3 liegt und bei Rauchern um den Faktor 2,6 höher ist. Wie so viele Medien aus dieser Behauptung den Schluss ziehen konnten, dass Dampfen genauso oder auch nur ähnlich gefährlich sei wie das Dampfen, bleibt unerklärlich.

Auch Dr. Ute Mons, Leiterin der Stabstelle für Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums, meldete sich auf ihrem Twitter-Account diesbezüglich zu Wort:

Liebe @tagesschau, habt ihr die Studie überhaupt gelesen? Seit wann ist 1,3 (Risikoschätzer für E-Zigaretten) gleich 2,6 (Risikoschätzer für Tabakzigaretten)? Abgesehen davon gibt die Studie klare Hinweise auf reverse Kausalität: Lungenprobleme führen zum Umstieg auf E-Zigarette.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland zitierte diesbezüglich auch Prof. Daniel Kotz vom Universitätsklinikum Düsseldorf, demnach eben nicht nur die mediale Interpretation, sondern auch schon der Aufbau der Studie Probleme bereitet:

Die Studie hat gravierende methodische Mängel, und die Schlussfolgerung, dass der Konsum von E-Zigaretten Lungenerkrankungen wie COPD, chronische Bronchitis und Emphysem verursacht, ist falsch.

Weswegen er Rauchern ganz klar rät:

Tabakraucher sollten sich durch die irreführenden Ergebnisse dieser Studie und die unreflektierte Berichterstattung nicht verunsichern lassen: E-Zigaretten sind nach wie vor wesentlich weniger schädlich als Tabak und helfen bei der Tabakentwöhnung.

Twitter Kommentar von Ute Mons

Weswegen aber hält die mediale Berichterstattung, auch der Qualitätsmedien, weiterhin an solch tendenziösen Aussagen fest? Ohne hier irgendwelche Konspirationen unterstellen zu wollen, mögen vielleicht drei Kriterien dafür hauptsächlich verantwortlich sein:

- Die meisten Journalisten kennen sich einfach viel zu wenig mit den gesundheitlichen, wissenschaftlichen und technischen Aspekten rund um die E-Zigarette aus.

- Von den Medien wird das Thema E-Zigarette, womöglich wegen seiner erst seit einigen Jahren anhaltenden Relevanz, viel zu häufig als Nebenthema abgetan, mit dem man sich nicht näher beschäftigen muss und das deswegen auch keine intensivere Recherche oder Auseinandersetzung braucht.

- Wie so häufig bei Themen, die hauptsächlich Minderheiten anbelangen, kommen die Betroffenen - wie hier: ehemalige Raucher, die durch das Dampfen die Zigarette hinter sich lassen konnten – fast überhaupt nicht zu Wort. Dabei sind es gerade sie und Wissenschaftler, die in diesem Feld unvoreingenommene Forschung betreiben, die am meisten zur Debatte beizutragen hätten!

Weiterführende Links:

- www.tabakfreiergenuss.org/tabakwerbeverbot-gleichstellung-mit-e-zigaretten-ein-fatales-zeichen/

- https://vd-eh.de/forsa-umfrage-zeigt-negativtrend-bei-e-zigaretten-verkennung-der-wissenschaft-und-zunehmende-verunsicherung/

- www.ajpmonline.org/article/S0749-3797(19)30391-5/fulltext

- https://www.vapers.guru/2019/12/17/e-zigarette-schaedlich-wie-tabak-offener-brief-an-die-tagesschau

- www.rnd.de/gesundheit/hochst-fragwurdig-und-irrefuhrend-deutsche-forscher-kritisieren-studie-uber-e-zigaretten-INLLQ2JKQFAHTJJT4ZIHHLKWVQ.html

- https://de.wikipedia.org/wiki/Johnson_%26_Johnson#Kritik

Dampfen statt Rauchen


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